Erschöpft, aber erfüllt von spannenden Eindrücken, inspirierenden Erfahrungen und berührenden Begegnungen kehrten die ORA-Kolleginnen Katharina und Sandra aus Indien zurück. Ihre einwöchige Projektreise war straff durchgetaktet: sie nahmen an Kinder- und Jugendparlamenten teil, trafen fast alle indischen ORA-Patenkinder und besuchten viele in ihrem bescheidenen Zuhause, hörten unzählige Geschichten der Hoffnung, begegneten jedoch auch tiefer Verzweiflung und Not.
Hier berichten die beiden von ihren vielfältigen Reiseeindrücken:
„Achtsam umsorgt von ORA-Projektpartnerin Sr. Ephrem und ihrem Team besichtigten wir fünf verschiedene Projektstandorte im Bundesstaat Tamil Nadu: Nattamangalam, Salem, Gangavalli, Koneripatti und Selliampatti. Wir wurden überall herzlich empfangen und erlebten live die wertvolle Arbeit der Cluny-Schwestern und ihrer Sozialarbeiterinnen. Und für unsere intensiven Tage stärkte uns die vielfältige indische Küche 😉
Bereits am Tag nach unserer Ankunft erwartete uns ein besonderes Highlight: eine große Zeremonie zum 80. Unabhängigkeitstag Indiens! ORA-Projektpartnerin Sr. Ephrem hatte dazu alle ORA-Patenkinder an den Projektstandort Nattamangalam eingeladen. So konnten wir sie persönlich treffen und uns mit ihnen austauschen. Einige Kinder hatten etwas vorbereitet: eine Musikdarbietung, einen Tanz oder kleine Ansprachen. Auch wir wurden um einen Rede-Impuls gebeten und versuchten die Botschaft zu vermitteln: „Du bist einzigartig. Dich gibt es nur einmal. Du hast einen Auftrag, den nur du erfüllen kannst. Vergleiche dich nicht, sondern finde deine Berufung!” Zudem ermutigten wir die Kinder, auf uns zuzukommen und Englisch mit uns zu sprechen: „Da wir keine Englisch-Muttersprachlerinnen sind, sprechen wir auch nicht perfekt und freuen uns über jeden Versuch. Traut euch!” Ihre anfängliche Scheu überwanden die Kinder dann auch rasch und wir wurden um unzählige Selfies gebeten. Zwischendurch gab es Mittagessen für alle und zum Abschluss machten wir mit jedem Patenkind ein nettes Erinnerungsfoto für die ORA-Pat*innen zuhause. Per Bus und Dreirad-Riksha (genannt „Auto“ – unglaublich, wie viele Passagiere da rein passen!) fuhren die Kinder, Schwestern und Sozialarbeiterinnen nach einem erfüllten Tag zurück an ihren Kloster-Standort.
Am nächsten Tag nahmen wir an einem Kinderparlament in Salem teil. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit die Kinder bei der Sache waren! Wir lernten, dass es immer eine*n Präsident*in gibt sowie eine*n Schriftführer*in. Zu Beginn sprachen alle gemeinsam eine Art Gelübde und dann hatte jedes Kind die Chance, eigene Themen auf die Agenda setzen zu lassen. Während der etwa einstündigen Sitzung durften sich alle reihum zu den behandelten Fragestellungen äußern; wer nichts sagen mochte, gab den Redestein einfach weiter. Angelehnt an den Unabhängigkeitstag ging es bei dieser Sitzung um die Frage, was man auch als Kind oder Heranwachsende*r schon in die Gemeinschaft einbringen kann. Aus solchen Runden ergeben sich oftmals Aktivitäten wie Besuche bei älteren, einsamen Menschen, Aufklärungskampagnen zu Gesundheit und Hygiene oder Aufräumaktionen in der Gemeinde – der Kreativität der Kinder sind keine Grenzen gesetzt! Da das Parlament auf einer Dachterrasse stattfand, hatten wir einige „Zaungäste“, die das Geschehen interessiert verfolgten – und der Besuch aus Österreich war natürlich besonders spannend!
Am selben Tag trafen wir in Anbu Illam 24 Vertreter*innen der Jugendparlamente aus den verschiedenen Cluny-Standorten. Auch die in der Sozialarbeit tätigen Cluny-Schwestern und Sozialarbeiterinnen („Animators“) nahmen teil. Die Jugendparlamente sind sozusagen die Aufbaustufe zu den Kinderparlamenten – die Teilnehmer*innen haben alle die 12. Schulklasse bereits abgeschlossen. Bei dieser Sondersitzung ging es schwerpunktmäßig um die Ideenfindung, wie die Jugendlichen etwas zur Finanzierung ihrer Ausbildung oder ihres Studiums beitragen könnten. Da es in der Region nur wenig Nebenjobs gibt, entwickelten sie eigene kreative Vorschläge, die sie an ihrem Standort umsetzen können: zum Beispiel Züchten von Microgreens oder Pilzen zum Verkauf an Gastronomie und Hotellerie, Kerzenproduktion, Taschen bedrucken oder Kuhhaltung und Verleih von Landmaschinen. Motiviert nahmen die Jugendlichen am Ende ihre Überlegungen mit heim, um sie dort in den Ortsgruppen weiter zu vertiefen und nachzuschärfen. Übrigens: auch bei den Jugendlichen standen Selfies mit uns Besucherinnen aus Europa hoch im Kurs 😉
Einen Großteil unserer Zeit vor Ort verbrachten wir mit Hausbesuchen bei Patenkindern und anderen Menschen, denen ORA-Spenden in der Vergangenheit zugute gekommen sind, sei es in Form von Kühen, Ziegen, Nähmaschinen, Zuschüssen zu Hausinstandsetzungen, Kleinkrediten und vielem mehr. Die jeweils zuständige Cluny-Schwester und/oder die Sozialarbeiterinnen begleiteten uns und übersetzten von Tamil ins Englische, wo nötig. Es berührte uns sehr, wie sehr unsere Besuche wertgeschätzt und als Segen empfunden wurden! Viele unserer Gastgeber*innen hatten kleine Geschenke wie Jasmin-Kränze oder Haargummis vorbereitet und boten uns süße Getränke oder frisch geöffnete Kokosnüsse an – sie, die selber kaum genug zum Leben haben! Die bescheidenen Unterkünfte (nicht selten leben sechs Personen oder mehr in einem Zimmer auf engstem Raum zusammen!) waren fast überall ausgesprochen sauber und ordentlich. Es war offensichtlich, dass die Menschen das wenige, das sie besitzen, zu schätzen wissen und sorgsam damit umgehen.
Viele dieser Begegnungen bewegten uns sehr. Wir hörten von Einsamkeit, Krankheit, Verzweiflung und Tod. Aber auch von Solidarität, Kampfgeist, Heilung und Zuversicht!
So wie bei Lakshmi, Mutter von 4 Töchtern. Sie ist seit 2022 Witwe, ihr Mann war Alkoholiker und starb an Nierenversagen. Lakshmi ist HIV-positiv und wurde von der Familie ihres Mannes aus dem Haus geworfen – alle sind gegen sie außer ihrer Schwiegermutter. Lakshmi arbeitet als Tagelöhnerin in der Landwirtschaft: sie jätet auf den Erdnussfeldern. Da es aufgrund des ausbleibenden Regens in der näheren Umgebung kaum Arbeit gibt, muss sie 7 km zu Fuß in die Arbeit gehen. Der Verdienst: 300 Indische Rupies pro Tag, das sind etwa 3 Euro. Drei ihrer Töchter gehen noch zur Schule, die älteste Tochter ist mit einem Mann durchgebrannt. Lakshmi hat in den letzten 2 Jahren mit der Hilfe ihres Vaters ein winziges Haus gebaut. Die Latrine hat ORA finanziert – eine enorme Erleichterung besonders für die Töchter, wenn sie ihre Tage haben! Zudem hat Lakshmi eine Kuh bekommen und eine zweite selber abbezahlt. Eine der Kühe war bei unserem Besuch gerade trächtig – ein großer Segen für die Familie!
Oder Sarathi. Die bildhübsche Frau kann derzeit nicht arbeiten, weil sie krank ist und keine Stimme hat. Ihr Mann trinkt viel und bringt nicht oft Geld nach Hause. Das Ehepaar hat drei Kinder. Eine Tochter hat seit 3 Jahren epileptische Anfälle und immer wieder neurologische Ausfälle – für die Medikamente wird viel Geld gebraucht. Durch einen Unfall ihres Mannes und später auch von ihr selber haben sie einen großen Schuldenberg aufgebaut, den Sarathi nun abzutragen versucht. Sie hat von ORA 400 Euro für eine notwendige Hausreparatur bekommen – das Haus sieht von außen recht schmuck aus, besteht jedoch nur aus einem einzigen kleinen Raum, in dem es keinen Strom gibt. Wir sind beeindruckt: Trotz Krankheit und Rückschlägen lässt Sarathi sich nicht unterkriegen!
Bei einer weiteren Familie, die wir besuchten, sind außer dem Vater alle gesundheitlich angeschlagen. Mrs. Senthamarai leidet an Gleichgewichtsstörungen, ihr Sohn muss regelmäßig an den Fußvenen operiert werden – er wurde in seinem jungen Leben bereits sechsmal operiert! Die Tochter leidet unter so starker Monatsblutung, dass sie sogar oft von der Schule heimgeschickt wird, weil sie so schwach ist. Mrs. Senthamarai hat eine Nähmaschine von ORA bekommen; für eine Bluse mit Futter bekommt sie umgerechnet 3 Euro, ohne Futter 1,50 Euro. Die Familie lebt in einem gemieteten Wellblechhaus. Der Vater ist als LKW-Fahrer in ganz Indien unterwegs und kommt etwa einmal im Monat nach Hause.
Wir haben unzählige Geschichten wie diese von unserer Reise mitgebracht. Was uns immer wieder beeindruckt hat: wie beherzt und tapfer die Menschen ihr Schicksal annehmen und gestalten! Es erfüllt uns mit großer Dankbarkeit, dass wir sie auf ihrem oftmals beschwerlichen Weg begleiten dürfen. Diese unermesslich wertvolle Arbeit ist nur möglich dank eurer Spenden. Dafür sagen wir von ganzem Herzen DANKE!„
Um Menschen wie Lakshmi, Sarathi und Mrs. Senthamarai besonders in akuten Notsituationen unterstützen zu können, brauchen wir euch.
Wollt ihr ORA Projektpartnerin Sr. Ephrem und ihrem Team ermöglichen, rasch und konkret zu helfen?

















































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