2.800km durch Rumänien: ein Bericht

Im Mai 2022 machte sich eine kleine Reisegruppe auf den Weg nach Rumänien. Früh am Sonntagmorgen starteten ORA-Vereinsobmann Hanspeter Hofinger und ORA-Mitarbeiterin Eva Galos, gemeinsam mit vier ehrenamtlichen Helfer*innen des ORA-Lagers in Ardagger, mit einem Kleinbus in Richtung Osten. Die kilometerreiche Strecke führte sie über Satu Mare, Suceava im Norden, Targu Mures und Sighisoara/Schäßburg in Siebenbürgen und nach Arad im Westen. Über 2.800 Kilometer wurden dabei insgesamt an nur sechs Tagen zurückgelegt.

Eva schildert uns ihre Eindrücke:

Unser Ziel war es Projektpartner zu besuchen, die aktuell Hilfsgüter in die Ukraine bringen und/oder geflüchtete Familien beherbergen und unterstützen. So lernten wir als erstes Pastor Emanuel Besleaga kennen. Sein Lager befindet sich bei Suceava, unweit der ukrainischen Grenze bei Siret. Gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfer*innen werden dort gleichwertige Familienpakete mit den Hilfsgütern gepackt, die mit ORA-Transporten gebracht werden. Es ist sehr bestärkend mit eigenen Augen zu sehen, dass die Güter ankommen, sorgefältig behandelt und wirklich gebraucht werden. Allen voran Lebensmittel!

Der Weg von Suceava nach Sighisoara führt uns über Targu Mures. Dort statten wir den beiden langjährigen ORA-Partnern Joszi Mucui und Arpi Szasz einen Blitzbesuch ab. Von den Kindern aus der Romasiedlung, in der Joszi eine Suppenküche und Hausaufgabenbetreuung anbietet, wurden wir mit einem gesungenen Gebet empfangen und die Kinder bedankten sich herzlich mit persönlichen Worten. „Danke, dass ich jeden Tag herkommen und lernen darf. Ich freue mich auch über all die Geschenke und alles was Sie uns schicken.“ Arpi zeigte uns den Anbau ihres Philipushauses, in dem bald für noch mehr Kinder Platz ist, um an Wochenendaktivitäten oder dem beliebten Sommerlager teilzunehmen.

In Sighisoara lernen wir zuerst Paula und Florin Boruga kennen. Sie sind bereits in sieben Gemeinden mit Suppenküchen und Hausaufgabenbetreuung aktiv. Die Unterstützung für geflüchtete ukrainische Familien kommt nun zur bisherigen Arbeit dazu. „Die ehrenamtlichen Helfer *innen sind müde und erschöpft“ erzählt uns Paula. Sie konnten Unterkünfte für 100 Ukrainer*innen in und um Sighisoara finden. Doch mit einem Platz zum Wohnen ist es nicht getan. Die Familien müssen mit Lebensmitteln versorgt werden, brauchen Zugang zu medizinischer Versorgung und Hilfe bei Behördenwegen und beim Finden von Jobs und einer Kinderbetreuung.

Einen weiteren Besuch in Sighisoara statten wir Martin Türk-König ab. Seine Vision einer therapeutischen Farm nimmt in großen Schritten Form an. Am 14. Mai 2022 wurde die Kapelle mit einem großen Fest eingeweiht, Stall und Scheune stehen, die Sanitäranlagen funktionieren, der Platz für ein Zeltlager und die mobile Küche sind einsatzbereit. Es müssen noch ein paar ausstehende Arbeiten gemacht werden, doch man spürt, wie es den Mitwirkenden in den Fingern kribbelt, dass mehr Tiere einziehen können und die Kinder und Familien sich hier eine Auszeit nehmen, sich in der Natur entspannen und abschalten können.

Nach unserem Aufenthalt in der wunderschönen mittelalterlichen Stadt Sighisoara reisen wir weiter in den Westen, nach Arad. Im Vorort Sambateni werden wir vom Ehepaar Marion und Dorin Moldovan empfangen. Marion ist Österreicherin und hatte nach vielen Besuchen in der rumänischen Heimat ihres Mannes den Wunsch entwickelt, zu helfen. Lange Zeit führten sie in Rumänien ein Kinderheim und sind heute als Pflegeeltern tätig. Dorin hat ein großes Netzwerk an dankbaren Abnehmern: Altenheime, Klöster und Stiftungen, die gegen die Armut kämpfen und dankbar Hilfsgüter von ORA empfangen. Auch hier finden ukrainische Geflüchtete einen sicheren Ort in den ehemaligen Räumen des Mutter-Kind-Zentrums und Dorin bringt Lebensmittel zu Geflüchteten bis ins Donaudelta.

Der letzte Besuch unserer Reise führt uns nach Santana zu Pastor Aurel. Seit einigen Jahren erhält er von ORA Hilfsgüter. Diese werden in einem Flohmarkt verkauft, um neben Spenden finanzielle Mittel zu erwirtschaften, für die vielen Projekte, die er umsetzt. „Die Leute kommen von überall zu unserem Flohmarkt. Hier gibt es gute Qualität für wenig Geld“ freut sich Aurel, uns berichten zu können. Der Pastor und seine Familie haben es sich zum Ziel gemacht, den sehr armen Menschen sicheren Wohnraum zu bauen. So treffen wir Maria, eine 30-jährige Witwe mit sechs Kindern. Ihr Haus war dem Einsturz nahe und bot keinen Schutz mehr. So wurde für die Familie ein stabiles Haus erbaut, das nur noch ans Stromnetz angeschlossen werden muss. Aurel und seine Gemeinschaft nehmen auch Ukrainer*innen auf der Flucht auf. Diese sind meist auf der Durchreise, erholen sich in einer Unterkunft und ziehen dann weiter. Doch auch diese müssen mit dem Notwendigsten versorgt werden.

Da es sich ja um eine ProjektREISE handelte, genossen wir als Reisegruppe die vorbeiziehende Landschaft Rumäniens im Mai: idyllische Dörfer, weite Ebenen, saftige Wiesen, hügelige Laubwälder, mit Nadelwald besetzte Pässe über die Karpaten, schneebedeckte Gipfel, wilde Bäche, breite Flüsse, eine beengte Schlucht und viel unberührte Natur.

Alle sind sich einig: Rumänien verfügt über eine traumhaft schöne Natur, leider viele an Armut leidenden Menschen und doch immer wieder mutigen Helfer*innen, mit der großen Vision im Kleinen Großes bewirken zu können!

Wir danken allen, die uns immer wieder finanziell und ganz praktisch unterstützen, damit diese wichtige Arbeit unserer Projektpartner in Rumänien überhaupt möglich gemacht werden kann. Vergelt’s Gott!

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