„Eine unglaublich prägende Erfahrung“

Während ihrer internationalen Sozialprojektwoche am BORG Schärding besuchte eine 7. Klasse mit sozialkommunikativem Schwerpunkt im Juni einige ORA-Projekte in Rumänien. Für die Schüler*innen stand die Begegnung mit unbekannten Lebensrealitäten im Vordergrund.

In der Stadt Sighisoara und Umgebung trafen die Schüler*innen bei den ORA-Projektpartnern Paula und Florin Boruga ukrainische Flüchtlingskinder und Kinder aus der sozial stark benachteiligten Roma-Minderheit. Gemeinsam gestalteten sie den bisher unbenutzbaren Garten eines Kindergartens zu einem Spielplatz um und veranstalteten ein sommerliches Grillfest.

Die Klasse übernachtete in Zelten auf der therapeutischen Farm des Vereins „Viata Are Sens“, den unter anderem ORA-Partner Pfarrer Martin Türk-König aufgebaut hat. Die Farm nahe der Kleinstadt Schäßburg bietet Tagesbetreuung und professionelle Therapiemöglichkeiten sowie eine geschützte Werkstatt für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung. Auch hier halfen die BORG-Schüler*innen bei verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten mit.


Lest hier, welche Eindrücke die Schüler*innen in dieser besonderen Woche gewannen:

Die Kultur und der Lebensstandard in Rumänien waren sehr wichtige Erfahrungen für uns alle, teilweise aber auch sehr erschreckend, zum Beispiel in Roma-Siedlungen, wo manche davon wortwörtlich Slums sind.“

„Eine wirklich ereignisreiche Woche in Sighisoara ist zum Ende gekommen. Mit Arbeit auf der Farm, zelten bei gefühlten Minusgraden, aber nahezu unaushaltbarer Hitze in den Kleinbussen (unseren einzigen Transportmitteln zwischen Farm und Zivilisation), einprägsamen Momenten mit lebensfrohen Kindern, aber auch Momenten der Reflexion beim Marsch durch ein Slum wie (leider) im Bilderbuch – man kann sagen, dass wirklich alles dabei war. Langweilig wurde es uns nur selten. Kartoffeln und Hühnchen können wir wahrscheinlich nach diesen 7 Tagen nicht mehr sehen, aber schlecht gegessen, das haben wir in Rumänien kein einziges Mal. All in all – einfach ultracool die Woche, sehr weiterzuempfehlen!“

 „Rumänien. Eine Reise, bei der ich anfangs sehr viele Vorurteile und Zweifel hatte, doch im Nachhinein der bedeutendste Ausflug wahrscheinlich sogar in meinen ganzen Leben war! Was haben wir erlebt? Was hat uns geprägt? Die wohl wichtigsten Fragen nach unserer Ankunft zuhause! Meine allgemeine Antwort darauf (Kurzfassung): Ich bin froh dabei gewesen zu sein. Es ist so wichtig mit eigenen Augen zu sehen, wie gut es uns und wie schlecht es anderen geht, denn viele sind sich unserem Wohlstand gar nicht bewusst. […] Was mich an einem Tag sehr berührt hat, ist bei der Waffeljause im Dorf gewesen… wie wir zuerst essen durften und wie wir alle fertig waren, durften sich erst dann die Dorfbewohner auf das Essen stürzen. Obwohl wir alle jeden Tag so viele Waffeln essen können bis wir umfallen, haben sie uns den Vortritt gelassen. Ich weiß nicht, ob bei uns sowas vorkommen würde! […] Jetzt aber zu den letzten zwei Tagen: prägend war da auf jeden Fall, dass es unglaublich ist, zu sehen, wie im Dorf, ein paar Meter von der Stadt weg, die Menschen in unglaublich schlimmen Häuser wohnen, die fast am Zusammenbrechen waren, wie fast überall am Land, wie ich beobachten konnte. Und dann in den großen Städten leben die Menschen inmitten großer Einkaufsstraßen mit allen Geschäften, die man kennt. Und am Land wissen einige nicht, was sie essen sollen. […] Die Reise hat mich doch sehr aufgewühlt. Ich denke oft (habe ich vorher auch schon, aber jetzt gleich noch viel intensiver) daran, wie gut es uns geht, wir können uns alles kaufen, was wir wollen und können verdammt glücklich sein, für dieses Privileg was wir haben. Auch nicht vergessen darf man, wie wenig Kinder dort eigentlich in die Schule gehen. Bei uns ist das Pflicht und wir beschweren sich sogar noch darüber. Uns steht jede Tür offen, wir können arbeiten gehen oder auch studieren, solange wir wollen… sowas gibt es auch nicht überall. Dafür müssen wir extrem dankbar sein! Denn nicht nur in Rumänien geht es vielen Menschen nicht so gut, wie uns, es gibt noch andere Länder, in denen es den Menschen genauso schlecht geht oder sogar noch schlechter. Unglaublich, wie sowas eigentlich geht. Es macht mir Kopfzerbrechen.“

„Ein anderes Leben als wir es hier haben. Schon Monate davor, als wir das erste Mal von dieser Idee gehört haben, war mir von Anfang an klar, dass ich da nicht mitfahren werde. In meinem Kopf hatte ich folgende Fragen wie: Wo werde ich schlafen? Wie sieht es aus mit Hygiene? Was erwartet mich dort? Teilweise wurden uns die Fragen beantwortet, nicht alle, aber genug, um meine Meinung zu ändern. Also beschloss ich mitzufahren, da mir klar wurde, dass es ein Privileg ist in einem Haus zu wohnen, jeden Tag genug Essen zu haben und mir nicht Sorgen machen zu müssen, wie ich den Winter überstehe. Wir hatten also die Möglichkeit etwas Gutes zu tun. Also die Chance auch etwas für unser zukünftiges Leben zu lernen. […] Das es nicht so aussieht wie bei uns war klar. Die Kinder waren aber alle unglaublich glücklich, dass sie uns sahen und waren nicht scheu. Sie kamen auf uns zugelaufen und haben uns umarmt und auch hier wurden wir wieder herzlich aufgenommen. Trotz Sprachbarriere haben wir uns irgendwie verstanden. […] Das, was mir am wenigsten abgegangen ist, war mein Handy. Wir waren so beschäftigt und hatten überhaupt kein Interesse daran, da wir so viel gesehen und erlebt haben. Ich denke auch, dass es der perfekte Ort und die Zeit war, wo man über sich selbst reflektieren kann, da wir weit von unseren Problemen entfernt waren und sahen, was wahre Probleme sind. Das heißt nicht, dass wir keine Probleme haben können oder dürfen, aber das hat auch geholfen den Vergleich zu sehen, zwischen Problemen, für die man selbst verantwortlich ist wie z.B. in der Schule oder ob man in einem Land geboren wird, in dem man nicht auf Bildung schaut und vieles mehr. Wenn ich also zurückblicke, bin ich froh mich sozial in dem Projekt engagiert zu haben und nicht wie unsere Parallelklassen teilweise in ein gewöhnliches Land gefahren sind.

„Rumänien – eine unglaublich prägende Erfahrung, verbunden mit Emotionen und Horizonterweiterungen.“


Und wie sieht das Fazit der mitreisenden Lehrer*innen aus?

„Besonders beeindruckt haben uns Lehrer*innen die gute Gemeinschaft unserer Schüler*innen, die Selbstverständlichkeit, mit der auch unangenehme Arbeiten übernommen wurden und – trotz enormer Sprachbarrieren – die große Offenheit und Flexibilität im Umgang mit den vielen unterschiedlichen Menschen. Es war wirklich eine außergewöhnliche Woche – danke für die Zusammenarbeit!“ lautet das Resumée der begeisterten Lehrer*innen.


DANKE an alle Beteiligten für die Bereitschaft, sich auf dieses „Abenteuer“ einzulassen! Wir freuen uns, dass diese Erfahrung bereichernd war und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat!